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Siggis letzte Worte




10.November 2007

Es muss sich viel ändern, damit alles gleich bleibt

...was wyrd, Beschleunigung, Soziologie - 9 Kommentare » 12:19 am

In letzter Zeit muss ich oft an dieses Zitat aus Viscontis “Der Leopard” denken. So viel ändert sich überall, technologisch, gesellschaftlich. Und dennoch bleiben die wesentlichen Faktoren gleich oder verschlechtern sich noch für all diejenigen deren Leistung sich eben nicht lohnt. Mit Mühe wird die protestantische Ideologie, das sich Leistung lohnt aufrechtgehalten. Dennoch werden die leistungsunabhängigen Einkommen und Vermögen schneller größer als alles andere.

Der moderne arme Schlucker denkt über Geldverdienen mittels Web 2.0 nach, bedient sich dabei modernster Technologie und schnellverdaut den neuesten heissen Scheiss jeden morgen RSS-gefeedet. Was in den 90igern mal an Utopie da war ist aufgerieben worden zwischen Featureitis und Hartz4. Alle babbeln und linken den gleichen Mist, der runterraffiniert wird aus den O´Reilly-Scoble-Höhen, wenn sie nicht schon vor Jahren in die pseudoliterarische Subjektivität emigriert sind. Alles Soziale wird zum “Kontakt” instrumentalisiert oder zum Facebook-”Friend” degeneriert. Schuhverkäufercharaktere tauchen auf, die vor 2007 nicht eine Spur im Netz hinterlassen haben, aber nun selbsterkorene Web2.0 Fachleute sind. Der Rest betreibt bloggend Verbraucher- und Konsumberatung.

Die menschliche Natur wird nicht automatisch komplexer, wenn Technologien komplexer werden. Die Semantik der Bedürfnisse ist immer noch so platt wie vor 2693 Jahren. Die Glockenkurve beschreibt immer noch auch die Verteilung der moralischen Stufen. Vielleicht ist sie in 1000 Jahren ein bischen rechtsschief geworden, wenn man Optimist ist. Aber sonst?

Wer fordert Utopien ein, in einer Zeit, in der es möglich wird die kühnsten Träume der Menscheitsgeschichte in einem gemeinsamen Akt des Aufwachens zu realisieren? Wer stellt bei jeder neuen atemberaubenden Technologie die penetrante Frage: Für wen? Für alle oder nur wenige, die es sich leisten können? Wann wird es für viele schmerzlich offensichtlich das etwas wie Abu Dubai ein Symbol ist für die Herzlosigkeit globaler Dynamiken, die zwischen dem Alptraum für einen Einzelnen und der Utopie für Wenige pendeln? Wann werden wir das Pendel sehen und den Einzelnen vor seiner Wucht verschonen ohne den Schwung zu den Sternen zu verlieren?

4.November 2007

Wir sind Gefässe

...was wyrd, Transformation - 1 Kommentar » 12:07 am

Zuviel Illusionsdirektoren unterwegs. Das Wesentliche findet seine Bestimmung entweder auch in der Steppe von Kasachstan oder in einem teilhardschen Vektor. Nicht im Gelaber über OpenSocial (Noch so ein Betrug). Wir sind nun mal einfach nur temporäre Gefässe einer komplexifizierenden Dynamik. Nur dem Ego, das sich bereitwillig vergisst, kommt der maximale Spass zu.

Mich erstaunt immer wieder wie Menschen ihren Focus soweit reduzieren können, das sie einem kleinen egoischen Vektor volle Urteilsgewalt über alle Phänomene unseres sozialen Kosmos überantworten können. Statt in Flammen aufzugehen, versuchen sie einen tauben Zweig ihrer verästelten Existenz über fraktale Unendlichkeiten triumphieren zu lassen. Scoble: 6000 Friends. Wenn das Absurde sich zur Norm erhebt, muss die Ästhetik mit Dada reagieren. Das Paradox, das es Sinn trotzdem gibt, muss unverlinkt gelebt werden.

2.November 2007

Wir könnens verdammt kurz machen

...was wyrd, Internet, Soziologie - 2 Kommentare » 12:38 am

Frage an den Plebs 2.0: Ist aSmallWorld auch Mitglied bei OpenSocial?

Anders: Der Wert sozialer Netzwerke definiert sich auch dadurch wer nicht drin ist.

1.November 2007

Utopie und Geschäft

Futuristik, Soziologie, Transformation - 3 Kommentare » 5:20 pm

Der echte Geschäftsmann filtert Zukunft nach seinen persönlichen Chancen und ignoriert die gesellschaftlichen Risiken. Der utopische Filter möglicher Zukünfte sieht genau invers aus: was sind die gesellschaftlichen oder gar existentiellen Risiken verschiedener technologischer Trajektorien und wie können diese Risiken durch einen affirmativen Zukunftsentwurf umgangen - nicht verhindert - werden. Wer Risiken durch Verhinderung von technologischen Trends vermeiden will, produziert automatisch Dystopien und Konservatismus, da die Negation von X nicht Nicht-X ist.

Im Angesicht der explodierenden Fülle möglicher Zukünfte wird derartiges affirmatives, utopisches Denken immer wichtiger. Die Aufgabe jeder wirklichen Utopie ist es, Traum und Zukunft so zu vermählen das die Möglichkeiten der Art und des Individuums nicht beschnitten werden.

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