19.März 2006
Robotik, Risiko und Gesellschaftsvertrag
...was wyrd, Prä-Singularität, Robotik, Soziologie, Wirtschaft - 5 Kommentare » 3:49 pm
Die Stabilität unserer Gesellschaft beruht zu großen Teilen auf der Rückversicherung von Risiko. Das Risiko, Opfer von Willkür zu werden wird (sollte?) von unserem Rechtssystem abgefangen. Die Kosten einer Krankheit wird von speziellen Versicherungen getragen, Erwerbslosigkeit von der Arbeitslosenversicherung. Die in Jahrtausenden akkumulierte Erfahrung von Schmerz, Würdelosigkeit und Armut haben zur Erkenntnis geführt das es Umstände gibt, die menschenunwürdig sind.
Was hat das mit Robotik zu tun? Eigentlich nichts, solange die klassischen individuellen Risiken durch gesellschaftliche Institutionen aufgefangen werden. Wenn dies allerdings zunehmend nicht mehr der Fall ist, warum sollten sich dann große Teile der Gesellschaft noch an diesen Vertrag halten? Ist diese Erkenntnis vielleicht schon in Teile der Gesellschaft eingesickert, mit der Folge das wir immer häufiger Zeugen scheinbar irrationaler Phänomene werden, die den Gesellschaftsvertrag ironisieren, umgehen oder ignorieren?
Stabilität in komplexen Systemen ist das Ergebniss sehr ausgeklügelter Regelkreise mit postivem und negativem Feedback. Feedback das gedämpft oder verstärkt werden kann. In komplexen Systemen einigen Regelkreisen die Dämpfung weg zu regeln kann zu interessanten Phänomenen führen, die allerdings nicht mit dem Begriff Stabilität bezeichnet werden können.
Paradoxerweise ist der Tritt, den dieser Roboter (WMV, 11Mb) von einem seiner Schöpfer empfängt, ein Tritt den wir alle empfangen werden. Aber werden wir auch wie dieser Roboter ein neues Gleichgewicht finden? Und wieder die Frage: Für alle oder Wenige?
14.März 2006
Zooomer versus Flickr
...was wyrd, Beschleunigung, Beschleunigung der Beschleunigung, Internet, Wirtschaft - 8 Kommentare » 10:52 am
Der Flickr-Clon Zooomer, über den bei Slashdot berichtet wurde, macht mich grübeln.
Wie man den dortigen Kommentaren entnehmen kann und mir meine Ahnung schon lange zuraunt sind derartige Ideen keine Grenzerfahrungen der Informatik. Es gibt da draussen global betrachtet - der einzigste Maßstab, der in diesen Belangen zählt - tausende 17-jährige die so etwas in 3 Monaten programmieren können. Der Unterschied liegt in der Aufmerksamkeit und den Finanzen die solchen Ideen schnell, sehr schnell zukommen müssen. Die Flaschenhälse Geld und Aufmerksamkeit bestimmen also ob Ideen genügend Dynamik aufbauen und ertragen können. Nicht der Grad der programmiertechnischen Schwierigkeit ist es, der eine massentaugliche Idee anziehend macht, sondern Geld und Aufmerksamkeit. Und dafür gibt es seit Ewigkeiten ein Wort: Marketing. Ob Gonzo, Guerilla, Viral, Postkarte: egal. Und darum erfasst mich eine komplexe Langeweile, was all diese Web 2.0 Projekte und Ideen betrifft. Denn was schliesslich aus dem Rauschen der Ideen und Projekte da draussen so weit herausgehoben wird (von wem?), das es wahrgenommen wird, werden soll, ist nicht das, was technologisch Grenzen testet oder gar für globale Belange wichtig wäre, nein, es sind durchgedrückte Kisten, die sogar im weiteren Verlauf der Entwicklung besseren Ideen im Wege stehen, und stehen sollen. (Wer würde schon nach dem tausendsten Foto für 5 Features mehr von Flickr nach Zooomer wechseln?)
Ich warte also weiterhin auf die wirklich beschleunigenden, den globalen IQ hebenden Projekte, vergleichbar 1/3 Internet (geschätzt).
12.März 2006
Schwarze Löcher ade?
Astronomie, Denken, Events - 4 Kommentare » 1:28 pm
Dem wissenschaftlichen Weltbild wird normalerweise Rücksichtslosigkeit gegenüber jeder religösen oder gar magischen Weltsicht vorgeworfen. Aber wie rücksichtlos Wissenschaftler wirklich sein können, ist just in astrophysikalischen Belangen zu beobachten. Nichts ist wahren Wissenschaftlern heilig, noch nicht mal unsere geliebten schwarzen Löcher.
Was können Astrophysiker dafür, das eine ganze Schwarze-Löcher-Industrie von diesem astrophysikalischen Konstrukt abhängig ist? Das gar Maximiliam Schell damit schon sein Geld verdient hat. Nichts da. Es war nur ein Konstrukt, und wenn eine bessere Theorie daher kommt, die frei nach Occam mit weniger Hypothesen mehr Phänomene erklären kann, dann frei nach Popper: her damit! Und schon stehen alle SF-Autoren, Drehbuchautoren oder Filmstars dumm da. Eine Kirche der Schwarzen Löcher hätte jetzt alle Hände voll zu tun, die Häretiker zu bekämpfen. Im Wissenschaftsbetrieb spart man sich diese Kräfte fürs Nachdenken auf.