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Siggis letzte Worte




24.August 2005

In welcher Zeit wir leben

...was wyrd, Beschleunigung, Prä-Singularität, Robotik - 9 Kommentare » 11:08 pm

Hin und wieder ist ein unverstandenes Mosaik aus Bildern, die man willentlich vor sich hinstellt, aussagekräftiger als jede schlüssige Rede die sich versucht selbst zu überzeugen. Ein wilder Wechsel aus Ideen und Dingen, die Primatenhänden und -hirnen entspringen, um in einem stillen Moment zu kondensieren, der etwas in uns träufelt, das auf uns warten wird.

Dinge stehen auf. 13Mb avi
Emotionen

Sowohl physische als auch virtuelle Artefakte beschreiten schon lange einen Weg, der durch uns und über uns hinaus führt. Der Schauder der mich beim Replay des Aufstehens dieses Klotzes erfasst, ist die Erkenntnis das sich mehr erhoben hat als nur ein Haufen gesteuertes Metall.

21.August 2005

Explosionen die niemanden interessieren

...was wyrd, Internet, Sonstwas - 17 Kommentare » 12:15 pm

Die Fakten: Am 17. August explodieren zwischen 10:30 und 11:30 circa 350 kleinere Bomben (nach anderen Quellen ca. 500), mit 2 Toten und über 150 Verletzten. Die Bomben waren so gebaut das sie bewußt keinen allzu großen Schaden anrichten konnten, also nur zur Warnung dienten. In den westlichen Medien hat dieses Ereignis auch 4 Tage danach kaum stattgefunden. Technorati verzeichnet heute morgen geschätzte 160 Blogbeiträge zum Thema. In der deutschen Blogossphäre ist sowieso nichts zu finden. Katzen mit 6450 Beiträgen finden dort mehr Aufmerksamkeit. Da hat Vorarlberg Online ein größeres Herz für die Dritte Welt.

Diese erschütternde Disproportionalität in der Wahrnehmung im Mehrzweckbeutel (ca 1000 Leser) zu veröffentlichen wäre zu einfach gewesen. Die herrschende Funktionsweise der Verbreitung von Nachrichten und Inhalten verändert man nicht indem man den Mechanismen hinterherrennt (Einschaltquote). Ich bleibe also in einer Mischung aus Trotz und Akzeptieren in meiner kleinen Ecke, da ich keinen funktionierenderen Prozess kenne.

Diese Disfunktionalität des Internets wurde schon Mitte der 90iger für die Zukunft - unsere Gegenwart - befürchtet, bis zu dem was man heute Echochambereffekt nennt. Aber wenn 350 gleichzeitig explodierende Bomben inmitten einer 144 Millionen großen Bevölkerung auch 4 Tage danach im Westen kaum stattgefunden haben, dann kann man von einem ziemlichen systemischen Versagen ausgehen. Das Gegenteil anzunehmen wage ich nicht.

Immer wieder dreht es sich um die alten Fragen der Relevanz: Was ist für wen wichtig? Die Dynamiken, die das Internet und die Medien im Moment beherrschen, können zum Verschwinden ganzer Länder von der Landkarte der Wahrnehmung führen. Der Relevante Link dazu.

In Bangladesh sind also 350 Reissäcke nicht umgefallen, nein explodiert und niemanden interessiert das. Ich bin gespannt wie lange es dauert bis sowas angemessen wahrgenommen wird. Vielleicht müssen dazu erstmal 800 000 satte Mittelstandskiddies wieder zurück zu Mama und gewisse Sendezeiten freigeben.

1.August 2005

Die Glasdecke der Gerontologie

...was wyrd, Beschleunigung, Lebensverlängerung, Medizin, Prä-Singularität, Sonstwas - Comments Off 9:43 am

Jason Pontin, der Herausgeber der Technology Review des MIT hat anscheinend mächtig die Nase voll vom Schweigen der Gerontologen zu den theoretischen Konzepten von Aubrey de Grey. Im Februar wurden Aubrey de Grey und sein Werk in einem längeren Artikel in der Technology Review vorgestellt, der trotz seiner negativen, unsachlichen Untertöne zu einem der meistgelesenen Artikel avancierte. Leider wollte sich seit damals kein Biogerontologe öffentlich und sachlich zum Thema veröffentlichen lassen. Die Biogerontologin Cynthia Kenyon trat nach 3 Monaten Vorarbeit von dieser Aufgabe zurück. Dabei dreht es sich einfach nur um die Frage, die wir alle gerne dringend beantwortet haben möchten:

Gibt es theoretische Gründe warum das, was Aubrey de Grey SENS nennt (Technische Strategien für vernachlässigbares Altern) unmöglich ist?

Wenn alle rumdrucksen und Fliegen an der Decke zählen hilft nur eins: Kleine, fiese krumplige Scheinchen und davon bitte viele! Mithin hat Pontin 20 000 $ Dollarchen ausgelobt, einzig für eine wissenschaftlich fundierte Kritik der SENS Konzepte, die Aubrey de Grey im Gegenzug nicht wiederlegen kann. Abzugeben in einem Dokument mit ca 750 Worten. Also wenn das nicht ein toller Stundenlohn ist!